Vita

Der Lichtbildprophet – beste Kumpels nennen ihn Marvin F., geile Zuckerschnecken dürfen Das Held zu ihm sagen – wuchs als Einzelkind in der Mitte eines Landes auf, dass es heute nicht mehr gibt. Seine Mutter nennt ihn einen ‚Unfall‘, weshalb wohl sein Vater Trost und Tod im Alkohol sucht.

Marvin war Sonderschüler an einer renommierten Waldorfschule und hat im Hauptfach ‚Singen und Klatschen‘ ein ‚Ausgezeichnet‘ ertanzt. Derart gut für das weitere Leben präpariert, fühlt sich Marvin F. absolut berufen und möchte bezahlter Künstler in Vollzeit werden. Das Finanzamt stuft Marvin F.’s Kunst als ‚Liebhaberei‘ ein, ein Gutachter sieht in der Schöpfungsschwelle feinbubscher Arbeiten wenig Luft nach unten. Zwar beginnt Marvin F. ein Kunst- und Philosophiestudium, bricht es nach fünf Jahren – sich noch immer im ersten Semester befindend – ab.

Sein seelisch-schwerer Stil und die Art und Weise, wie naiv-dilettantisch er Bilder entwirft und letztlich zu Papier bringt, bringt ihm den Titel ‚Großmeister des fotounrealistischen Depressionismus‘ ein. Für die zögerliche Akzeptanz seiner genial konzipierten Fotokunst macht er vor allem die Trägheit der geschmacksverdorbenen Masse verantwortlich. Er sieht seine naturgegebene Berufung allein darin, berühmt, reich und sexy werden zu müssen.

Als ‚Das Held‘ und ‚Lichtbildprophet‘ stellt sich Marvin F. mit missionarischen Eifer an die Spitze einer begnadet-kreativen Bewegung und schwingt sich zu deren Fiktiven Charakter auf. Seine zahllosen Affären bezeichnen Marvin als den lebenden Beweis, dass der Spruch ‚Dumm bumst gut‘ jeder Grundlage entbehrt. Schließlich nimmt sich die internationale Weltkunstorganisation dem einzigartigen Lichtbildpropheten an und erklärt ihn Ende 2015 zum lebenden Weltkunsterbe aller Zeiten. Ab diesem Zeitpunkt darf Marvin F. als erster und einziger Mensch überhaupt den Namenszusatz ‚holy Mofo‚ tragen.

Auf seine Zukunft angesprochen, sagt Marvin F. in einem Interview im April 2017: Er nähme ein Studium an der Wikipedia-Akademie auf und hofft in ein paar Jahrzehnten als erster Mensch erfolgreich mit dem ‚Bachelor of Wikipedia‘ abschließen zu können. Bis dahin stehe, neben sich selbst, die vollkommene Unvollkommenheit seiner Kunst im Mittelpunkt seines total verfickten Lebens! Phantastisch unterstützt von einer Handvoll großartiger US-Multimilliardäre und visionäre amerikanische Realpolitiker wird Marvin F., wieder als erster Mensch überhaupt, zum Ende des Jahrzehnts seine Kunst auf dem Mars ausstellen.