Tropf – Gedanken zu einem Sujet

Ein Wasserhahn, gerissen im Gehäuse.
Ein Hobbit, die gelegentlich seltsame Sprache.
Eine Wurzel, Tod und Kampf um ein Leben.
Ein Brett, letzter (Holz)Abschnitt eines Werkes.

Welchen Namen gebe ich diesem Gebilde aus Wasserhahn, einer abgestorbenen Hibiscus-Wurzel, einer vertrockneten Rose und diesem letzten Stück Bohle, welche den Hintergrund der Kreislauf-Skulptur ‚Erde, Himmel, Licht‚ bildet? Mir fällt vieles ein und nichts ist es Wert von mir im Kopf behalten zu werden.

Als ich das Wasser wieder anstellte, da tropfe der Hahn, quoll das Wasser an der Seite heraus. Schnell schlage ich eine Brücke zum Tropf, der mich die letzten Monate begleitete. Tropf klingt irgendwie nach Hobbit und Herr der Ringe. Irgendein nettes Ding aus dieser bizarren Fantasiewelt. Und das Buch ‚Der Hobbit‘ hat meine Wartezeit bis zum ersten Tropf verkürzt. Da sind Sauron und Frodo, die ich jetzt hier nicht weiter erkläre. Ich gebe allem, was ich um das Sujet Wasserhahn mit Roseneibisch-Wurzel schaffe den Hauptnamen ‚Tropf‘, angelehnt an die Welt des J.R.R. Tolkien.

Bis zum heutigen Tag entstand auf Basis dieses Materials ein Upcycling-Kunstobjekt, von mir Kreislauf-Skulptur genannt. Lasse ich meine BetrachtSteine aussen vor, dann habe ich bis heute insgesamt zwei Kreislauf-Skulpturen geschaffen. Beide befinden sich schon nicht mehr in meinem Besitz, haben also bereits Liebhaber gefunden! Ich freue mich über eine solche Resonanz.

Was mir bleibt sind ein paar Aufnahmen einer – heute würde man dazu – Beta-Version sagen. Ich tat mich schwer mit den Aufnahmen, mit den Ergebnissen sowieso. Alles wirkte auf mich ideen- und kraftlos, automatisch gemacht. Es fehlt mir das Bauchgefühl, eine gewisse Anspannung und den Drang daran zu arbeiten. Mit dem Verkauf der ‚Tropf‘ Kreislauf-Skulptur quasi vom Ateliertisch herunter scheint sich die Blockade zu lösen. Aus dem vorhandenen Bildmaterial entstehen Tropf-Bilder in neuen Techniken.

Allmählich löst sich in mir ein Knoten um den teuflischen Faktor Zeit. Unbewusst habe ich mich – wieder – unter Druck gesetzt, aus dem Stand das zu schaffen, wozu ich sonst Monate oder Jahre brauche. Ich habe Angst zu versäumen oder nicht zu Ende zu schaffen. Gelassenheit muss und möge wieder zurückkommen. Es ist keine Neugier in mir, was ich durchmache ist waschechte Ungeduld. Das merke ich an Zwischenstufen der Tropf-Bilder, die ich beinahe weggeworfen hätte und mit Monatsabstand heute für interessant erachte.

Langsam entfaltet sich in mir das Tuch der Erkenntnis zur ‚Lebensqualität‘. Dieser Einschnitt ins Leben, die Endlichkeit vor Augen geführt zu bekommen, lässt keinen Stein auf dem anderen. Nichts ist mehr so wie es ‚früher‘ war. Leben hat für mich definitiv eine andere Bedeutung als für den Rest der Welt. Ich muss achtgeben, dass ich mit dieser Einstellung den Rest der Welt nicht überfordere und ganz am Ende allein dastehe!

Autor: Marvin F.

Marvin F. wuchs als Einzelkind in der Mitte eines Landes auf, dass es heute nicht mehr gibt. Er war Sonderschüler an der Waldorfschule und hat im Singen und Klatschen ein Sehr Gut ertanzt. Derart gut vorbereitet für das weitere Leben fühlt sich Marvin F. absolut berufen und wird Künstler. Zwar beginnt er ein Kunst- und Philosophiestudium, bricht es aber nach fünf Jahren im ersten Semester ab. Sein seelisch-schwerer Stil und die Art und Weise, wie dilettantisch er seine Bilder entwirft und letztlich zu Papier bringt, brachte ihm den Titel 'Meister des fotounrealistischen Depressionismus' ein. Auf seine Zukunft angesprochen, berichtet Marvin F. in einem Interview im April 2017, dass er ein Studium an der Wikipedia-Akademie aufgenommen hat und hofft in ein paar Jahren erfolgreich mit dem Bachelor of Wiki abschließen zu können.

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