Schokoriegel

‚Ey Alter, was soll die Nazi-Typ Nummer?‘

Ja, so herzlich und liebevoll werde ich gerne begrüßt. Vor allem, wenn wir uns ein paar Wochen zuvor nicht gesehen haben.

‚Wovon sprichst du‘ erwidere ich.
‚Na von dem Nazi-Bild in deinem Blog!‘

Ihre Stimme wird immer lauter, meine Verwirrung nimmt immer mehr zu. Sie verschwindet nach oben, in ‚ihr‘ Zimmer. Vorsichtig trabe ich die Treppen nach oben. Irgendwie beschleicht mich das Gefühl, als könne zur Abwehr meiner Person ein Gegenstand heruntergeflogen kommen. Soviel zum Thema Gewalt in einer Beziehung.

‚Hier. Komm her. Ist das dein Blog? Und ist das ein Nazi!‘

‚Wenn mich nicht alles täuscht, dann ist das ein SA-Mann in seiner Uniform. Vor einem weißen Tuch posend. Lächerlich, oder?‘

‚Das ist ein Nazi. Ein Faschistenschwein.‘

‚So würde ich es nicht nennen wollen.‘

‚Was bist du denn für einer? Wählen wir jetzt AfD, Alter? Und mit so etwas habe ich geschlafen.‘

Jetzt wird es langsam persönlich.

Es gibt Menschen, die Alles und Nichts miteinander verbinden können.

Es gibt Menschen, die haben mich vor ihr gewarnt. Wegen ihrer impulsiven Art und Ader. Und dem Altersunterschied. Das brauche ich, quasi als Koffeinersatz. Und was eine Heidi Klum kann, also mit einem Boy im Altersunterschied als sei es ihr erstes Kind eine Beziehung führen, kann ich als Mann erst Recht.

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Alice im Wunderland

Ich oute mich hier und heute als Fan von … Mist, ich habe seinen Namen vergessen!

Ich weiß, er hat bei ‚Alice im Wunderland‘ mitgespielt. Und bei diesen Piratenfilmen den Jack Sparrow oder so gemimt. Aber die Filmreihe gefällt mir nicht.

Ich meine Johnny Depp.

Dummerweise hat mir wieder die mangelhafte Merkfähigkeit des Ex-Chemobrain einen Strich durch die Rechnung gemacht, weshalb ich für einen Augenblick vergessen habe, welchen Charakterkopf ich gut finde. Als Schauspieler. Ich halte die Kombination Depp-Burton für ein sehr surreales, nahezu kongeniales Gespann der aktuellen Filmlandschaft. Es darf in unserer Zeit ruhig öfter diesen Mix aus Genie und Charakterwahnsinn geben. Bitte nichts übertrieben Tuntiges, wie Jack Sparrow. Das geht gar nicht. Nicht diese Ed Sheeran-Heuler oder Justin Bieber-Lutscher. Mann soll Mann und kein weichgespülter Schwuli sein, auch wenn es die Gutmensch-‚political correctness‘ so gerne sehen mag.

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Vergiß den historischen Zusammenhang nicht

So ein daher gelaufener fotografischer Halbgott meint zu mir, ich solle meine Fundstücke vergrößern. Derart klein im Kontakt kopiert, ist es für das Genie viel zu anstrengend, sich die historischen Miniaturen anzusehen. Man könne ja diese Bilder gar nicht richtig genießen. Es ist immer wieder beeindruckend, wie es dem Unwissenden gelingt, seine Blödheit unter Beweis zu stellen. Den Blick stocksteif auf die moderne Fotografie fixiert, gesteht sich der Spinner Ratschläge zu, die völlig daneben sind. Etwas mehr Sinn fürs Historische und er hätte sich den Kommentar sparen können.

Gehe ich davon aus, dass die Jahre um 1840 als das Erfindungsjahrzehnt der Fotografie gelten, hat es etwa bis Anfang des 20. Jahrhundert (also ab 1900) gedauert, bis ein Objektiv patentiert wurde, welches sich auch für den Vergrößerungsprozess eignet. Es fehlen jetzt nur noch geeignete Lichtquellen. Bis dahin und noch weit darüber hinaus werden Aufnahmen auf Glasplatte und später auf Zelluloid als Filmträger angefertigt, davon im Kontaktverfahren Abzüge erstellt. Das heißt: Wer große Abzüge haben möchte, der muss dementsprechend große Negative anfertigen. Heute reden wir von der Großformatfotografie. Selbst das deutlich kleinere Mittelformat (zum Beispiel 6 x 6 oder 6 x 9 cm) liefert am Anfang seines Aufkommens ausschließlich Negative für Kontaktkopien. Sowohl auf Glas als auch auf Zelluloid.

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Ein Leben in Halbwahrheiten – Ein fotografisches Traktat

oder: Unsere moderne Überheblichkeit ist die Ursache allem Halbwissen

Seit meinem dritten Geburt-Tag befinde ich mich auf Orientierungskurs. Das ist nun über 19 Monate her. Optimistisch gesehen kann ich nicht klagen. Es sind Fortschritte da, kleine Fortschritte. Doch es bleiben die Bombertrichter, die trotz des darüber wachsenden Grases unpassend die Landschaft dominieren. Es hat so etwas von Hobbitland. Vielleicht sollte ich mir einen Hügel reservieren und darin meine Höhle integrieren. Meine eigene Höhle, ganz für mich allein. Denn es wird eine Schlafhöhle mit nur einem Fenster. Viel zu klein, dass da jemand sich reinstehlen kann.

Kaum sichtbar, dafür umso schmerzhafter, sind die Einschusslöcher. Letztlich führen sie zum Sprung, zum Riss in der Seele. Wohl der beste Kitt ist nicht gut genug, den Bruch so zu füllen, dass keine Narbe bleibt. Jeden Tag werde ich daran erinnert. Das Gesicht eincremen um die Narbe ‚Hautirritation‘ zu versorgen führt zwangsläufig die Hand am Hals vorbei. Jeden Tag wieder, jeden Tag auf’s neue. Ist da was, ist da nichts zu spüren? Oder ist da wieder was, auf der anderen Halsseite auch?

Wie soll ich mich bei diesen Gedanken auf anderes, Angenehmes, fokussieren können?

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Der Fotografischer Depressionismus

Was ist der Fotografische Depressionismus?

Für uns Menschen braucht alles eine Schublade. Ich gebe sie euch: Was hier zu sehen ist, passt in keine eurer Schubladen. Also muss etwas Neugeschöpftes her. Es war bereits von einer ‚modernen‘ Form des ‚Pictorialismus‘ die Rede. Ich kann mich nicht allein auf gestreutes Licht, Unschärfe und fehlende Details reduzieren lassen. Ich bin am Gegendetail interessiert. Es geht um das Was neben euern Regeln. Was ich tue, nicht alles soll sofort erratbar sein. Der Betrachter soll sich mühen wie ich mich gemüht habe, ein Bild so zu schaffen. Ich spiele ein analoges Versteckspiel in einer übermächtig digitalen Klarheit. Je weiter die Dinge unklar sind, umso mehr bedarf es meiner Fantasie, meiner geistigen Kreativität. Und sie ist es, die uns Menschen von den Maschinen und Programmen unterscheidet!

Das soll Fotografischer Depressionismus sein!