Kseniya’s Penetranz!

Hast du mir nicht geschrieben Warum bist du nicht ernst über unsere Kommunikation mit dir? Ich hoffe sehr, dass wir uns kennenlernen werden. Ich werde auf deine antwort warten

Zeig dich mal spendabel!
Ich dachte erst an eine neue Posse aus dem Sommerloch-Theater, doch dem ist nicht so. Es geht um die Frage der Organspenden und wie man unter anderem auch mich dazu bewegt.

Für mich ist Organspende ein beklemmendes Thema. Warum, mag in erster Linie daran liegen, dass ich um Ärzte, Schwestern und Krankenhäuser einen weiten Bogen mache. Mein zweiter Spontangedanke geht eher in die Richtung, dass der Mensch immer mehr Schöpfer spielt, zum Herren über Leben und Tod mutiert.

Ich kann so denken, weil niemand in meiner näheren Umgebung auf ein Spenderorgan wartet. Läge ein solcher Fall in meinem Umfeld vor, würde ich sicherlich meine Abneigung überwinden und anders argumentieren. Also versuche ich nüchtern an die Sache heranzugehen. Immerhin geht es um Menschenleben, auch wenn ich keine Betroffenen persönlich kenne.

Entscheidungslösung!
Ich werde einmal in meinem Leben gefragt, ob ich nach meinem Hirntod Organe zur Verfügung stelle. Egal wie meine Entscheidung ausfällt, danach soll Ruhe sein.

Widerspruchslösung!
Wenn ich mich nicht gegen die Organentnahme nach meinem Hirntod ausspreche, dann wird von meiner Zustimmung ausgegangen. Schweigend werde ich zum Organspender gemacht.

Im Gespräch ist auch eine “Erweiterte Widerspruchslösung”: Ohne mein Widerspruch wird von meiner Bereitschaft ausgegangen, nach dem Hirntod werden jedoch meine Angehörigen gefragt. Genau diese Entscheidung möchte ich ihnen aber nicht überlassen. Im Moment der Trauer sollen sie einen Gewissenskonflikt austragen, der möglichst schnell entschieden werden muss.

Wie soll man … wie soll ich mich entscheiden? Prinzipiell mag ich keine Lösungen die darauf beruhen, dass mein Schweigen als Zustimmung gewertet wird. Ich gehöre zum Beispiel zur Partei der Nichtwähler, über die sich die Politik viel zu wenig Gedanken macht. Es hat nichts damit zu tun, dass ich am Wahlsonntag zu faul bin zur Wahlkabine zu schlurfen. Mir fehlt es einfach an wählbaren Alternativen.

Jetzt könnte es passieren, dass ich Dank meines Schweigens zum menschlichen Ersatzteillager werde. Ein Trost ist, damit ein anderes Leben zu verlängern oder lebenswerter zu gestalten. Mit meinem Tod täte ich noch Gutes. Doch könnten meine Angehörigen damit leben? Das Grab, welches sie besuchen, wäre immerhin nicht vollständig. Irgendetwas von mir läuft noch auf der Erde rum.

Könnte im Kampf um “frische Organe” nicht der Fall eintreten, mein Leben bewusst zu verkürzen? Frei nach dem Motto: “Der stirbt eh bald!”. Es klingt abwegig, ist aber in meinen Augen denkbar, gerade wenn der schnöde Mammon eine Rolle spielt. Gab es da nicht schon entsprechende Missbrauchsfälle in sogenannten “unterentwickelten” Ländern? Warum sollen solche “Methoden” nicht auch hier einreissen, wenn das nötige Kleingeld vorhanden ist?

Wissend um die von mir gesehenen Risiken und Nebenwirkungen, die hier in Deutschland natürlich NIE vorkommen werden, sollte ich mich vor meinem Ableben in Sachen Organspende entscheiden. Da führt offenbar kein Weg dran vorbei, und das ist auch gut so. Wenn mein hirntotes Ersatzteillager Leben retten beziehungsweise anderen Menschen helfen kann, dann möchte ich es als meine allerletzte Aktion auf dieser Erde tun.

Diese Entscheidung sollte jeder Mitmensch selber treffen. Ohne ein Schweigen gleich als Zustimmung zu interpretieren oder irgendwann einmal gefragt zu werden. Vielleicht verzichten die medialen Meinungsmacher das eine oder andere mal darauf uns damit vollzulöffeln, den wievielten Stecher Paris Hilton abserviert hat, das Jennifer Lopez den geilsten Hintern habe und Amy Winehouse wieder strutzel straff auf der Bühne stand.

Es gibt Wichtigeres im Leben … insbesondere bei denen, die auf ein Spenderorgan warten und das ich irgendwann in der Zukunft jemanden geben könnte.

Freiwillig!*

* Der Text ist etwas älter und hat sich wohl 2016 durch die Krebsdiagnose erledigt. Ich fand den Text trotzdem passend zu diesen widerlich nervigen Scammer-Heinis und dem Pseudogejammer.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet.de ist ein Mix aus verbalen Größenwahn und fotografischen Depressionismus, eine persönliche letzte Schlacht des Marvin F. gegen den Herdentrieb, die Massenverdummung und den Einheitsgeschmack unserer Zeit. Lichtbildpoet.de interpretiert historische Negative auf Glas und Zelluloid neu. Mehr Informationen finden Sie auf Flackerlight.de, dem Offenen Atelier in Berlin-Marzahn.