Gedanken – Ein fiktives Interview (Das Original)

In den zurückliegenden Jahren machte ich mir hin und wieder Gedanken Über den Sinn/Unsinn der Homepage und des kreativen Treibens. Die Kerngedanken hatte ich stichpunktartig als meine Profilbeschreibung in Online-Fotocommunities veröffentlicht. Die Resonanz war sehr unterschiedlich und so habe ich mich entschieden, basierend auf meinen aussagen und dem abgegebenen Feedback ein fiktives interview mit mir zu führen. Viel Spass beim Lesen …

Warum eine eigene Homepage?
In erster Linie ist sie die reine Selbstdarstellung. Persönlich stehe ich nicht gern in der Öffentlichkeit oder im Mittelpunkt. Als zweites, und das ist der wichtigere Aspekt, nutze ich meine Homepage als digitale Visitenkarte. Wer meine Dienste als Fotograf, Bildbearbeiter oder Autor in Anspruch nehmen möchte, der kann sich hier umfassend informieren. Böse Überraschungen sollten bei einem persönlichen Aufeinandertreffen ausbleiben.

Sind Missverständnisse damit wirklich ausgeschlossen?
Nein. Irgendwie ist vielen Zeitgenossen die natürliche Neugierde abhanden gekommen. Es werden die ersten Links angeklickt und fertig. Gerade wenn ich Modelle zwecks einer Zusammenarbeit anschreibe, habe ich oft mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass ich ausschließlich Akt fotografiere. Ein paar Klicks weiter und sie hätten auch andere Arbeiten von mir gesehen. Erfreulich sind da die Ausnahmen von der Regel. So haben sich einige Modelle bewußt für mich entschieden, weil sie etwas tiefer hinter den Menschen Ronald Puhle blicken konnten.

Was schaust du dir als erstes auf einer anderen Homepage an?
Zuerst die Selbstdarstellung des Homepagebesitzers, dann das Impressum und anschließend die Galerien.

Weshalb diese Reihenfolge?
Mich interessiert der mensch. was denkt er über sich und seine Umwelt? Viele heben sich selbst auf einen Sockel und wollen fortan Mittelpunkt sein. Entsprechend narzisstisch fällt die Selbstdarstellung aus. Das Impressum zeigt mir die Ehrlichkeit des Homepagebesitzers. Schreibt er seine Anschrift, Email und vielleicht auch eine Handynummer rein oder versteckt er sich hinter einem Pseudonym? In den Galerien sehe ich mir dann den Künstler an. Ich möchte beides, Mensch und Künstler, kennen lernen.

Wie kam es zum Namen deiner Homepage?
Ich hatte einmal einen Kommentar zu einem Bild gelesen. Darin stand, dass er (der Künstler) das Bild mit der Maus am Computer gemalt hat. Da ich das auf eine andere Art und Weise ebenfalls mache, war der Begriff Mausmalerei und damit die Domain geboren.

… und 20mal30.de?*
Das ist schwierig zu erläutern. Zur Darstellung digitaler Bilder hat man viele Freiheitsgrade. Ein so genannter Beschnitt des Bildes, der große Auswirkung auf den Gesamteindruck der Arbeit hat, muss nur in den Bildschirm oder Projektor passen. Der Rest wird ausgeblendet und ist schwarz. Ich hingegen möchte meine besten Arbeiten gegenständlich machen. Durch meine Kameras bedingt habe ich mich für das Kleinbildformat und hier insbesondere für die Abzugsgröße 20cm x 30cm entschieden.

Wie würdest du deinen Stil beschreiben? Wer beeinflusst deine Arbeit?
Ich möchte mich keinem Stil unterwerfen. Primär muss mich ein Bild ansprechen und im Idealfall noch den Geist anregen. Wenn ich mich stilistisch auf irgendetwas festlegen würde, dann wäre es auch schon das Ende dieser Phase. Lieber unterziehe ich mich bewußt vielen Einflüssen. So versuche ich interessante Fotografien auf ihre Machart zu analysieren und daraus mein eigenes vorgehen abzuleiten.

Gibt es trotzdem so etwas wie Vorbilder?
Ja, ich mag die arbeiten von Dali und Yves Tanguy genauso wie Fotos von Leni Riefenstahl, Herb Ritz oder Helmut Newton.

Stellst du deine Arbeiten aus?
Jein. Im Internet sind einige Aufnahmen von mir in verschiedene Communities wie fotocommunity.de, model-kartei.de oder die view-Magazin fotocommunity zu sehen. Darüber bin ich mittlerweile nicht sehr glücklich. Ich glaube, es sind die falschen Foren. Eine echte Galerie mit realen Menschen und der direkte Kontakt zum Besucher reizt mich aktuell mehr.

Warum die Abneigung gegenüber Online-Communities?
Gelegentlich kommen sie mir wie riesige schwarze Löcher vor, dessen einziger Lebensinhalt darin besteht, alle Spielarten der Eitelkeiten in sich aufzunehmen. Diese Communities bestehen nicht nur aus überdrehten Selbstdarstellern, dass ist mir schon klar. Aber in der scheinbaren Anonymität des Internets vergessen die von mir angesprochenen ihre gute Kinderstube und diktieren mit ihrem Verhalten das gesamte geschehen. Nehmen wir das Beispiel Diskussionen in Foren. In sachbezogenen Diskussionen halten sie sich dezent zurück. Ihre Stunde schlägt in subjektiv geprägten Themenbereichen, wo sie zudem schnell beleidigend werden. Individualismus ja, in einer Gemeinschaft hat die Freiheit aber ihre Grenzen.

Wie möchtest du dann mit anderen Gleichgesinnten kommunizieren?
Der Idealfall ist der gegenzeitige Respekt und die Inspiration. Dieser Gedankenansatz ist mir mittlerweile wichtiger als das breite Publikum. wenn jemand meine Internetseite besucht, dann soll er sich an ihr erfreuen und nicht Streit mit mir suchen.

Welche Voraussetzung müssten mögliche Kandidaten für den Kreis der gleichgesinnten erfüllen?
Ich mag keine binär denkenden Menschen. In ihrem eingeschränkten Wertebereich aus Eins und Null oder Schwarz und Weiss kennen sie nur ein für oder gegen sich. Das Leben hat einfach mehr zu bieten.

Wir reden die ganze Zeit von der Fotografie. Was ist mit 3D?
Am Anfang meiner „kreativen Phase“ war 3d für mich der Modell- und Studioersatz. Ich habe sehr viel mit den computerisierten Werkzeugen gearbeitet. 3D hat die Mausmalerei im Internet bekannt gemacht. Heute bastle ich nur noch selten in 3D und dann lieber an Landschaften. In der Grundaussage würde ich aber viele Dinge, die ich zur Fotografie gesagt habe, auch auf 3D beziehen wollen. Letztendlich ist es aus meiner Sicht völlig egal, wie ich ein Bild erzeuge.

Und was ist mit dem Textautor Ronald Puhle?
Ich lebe mit der Fotografie, Bildbearbeitung und dem Schreiben in Symbiose. Viele Dinge, über die ich in meinen Artikel schreibe, habe ich selbst erlebt. Dafür bekomme ich Geld, mit dem ich wiederum die Fotografie und meine Computer finanziere.

Doch für das Schreiben der Artikel musst du dich an Regeln halten?
Sie sind wie das Kleinbildformat der Fotografie nur auf die Form beschränkt. Inhaltlich habe ich bisher keine Beschränkungen erfahren. Bisher gab es nur einen Fall, in dem meine Grundaussage ohne Rücksprache ins Gegenteil abgeändert wurde. Ich habe kurze Zeit darauf den Job bei dieser Redaktion hingeschmissen.

Wie gehts du mit Anmerkungen zu deiner Arbeit um?
Ein pauschales „gefällt“ oder „gefällt nicht“ mag ich nicht sonderlich. Gefallen ist ein subjektiver Aspekt und so sicher wie das Amen in der Kirche. Also braucht man auch darüber nicht diskutieren, es sei denn, man ist streitsüchtig. Erbsenzähler, die jedes Detail eines Fotos oder Bildes zerreden, sind auch nicht so mein Ding. Wenn es einen Kommentar gibt, dann versuche ich mehr über Denjenigen, der ihn abgegeben hat, zu erfahren. Es zeigt sich, dass aus seiner Sicht die Anmerkung nicht anders sein kann.

Das hört sich an, als würdest du jeder Kritik ausweichen?
Ich bin für jeden konstruktiven Hinweis dankbar. Doch wie eben schon angesprochen: Gefällt jemanden ein Foto, Bild oder Text nicht, dann ist die pauschale Äußerung des Nichtgefallens keine konstruktive Kritik. Es ist ein rein subjektives Urteil. Wurden von mir technische oder handwerkliche Fehler gemacht, dann sind kritische Anmerkungen, idealerweise mit einem neuen Lösungsansatz gepaart, herzlich willkommen.

Wie lautet dein Schlusswort?
Ich stelle mir immer häufiger die Frage, wer aus den Dichtern und Denkern nörgelnde Egoisten gemacht hat!

* Diese Domain wurde mittlerweile von mir aufgegeben!

Autor: Marvin F.

Marvin F. wuchs als Einzelkind in der Mitte eines Landes auf, dass es heute nicht mehr gibt. Er war Sonderschüler an der Waldorfschule und hat im Singen und Klatschen ein Sehr Gut ertanzt. Derart gut vorbereitet für das weitere Leben fühlt sich Marvin F. absolut berufen und wird Künstler. Zwar beginnt er ein Kunst- und Philosophiestudium, bricht es aber nach fünf Jahren im ersten Semester. Sein seelisch-schwerer Stil und die Art und Weise, wie dilettantisch er seine Bilder entwirft und letztlich zu Papier bringt, brachte ihm den Titel 'Meister des fotounrealistischen Depressionismus' ein.

2 Gedanken zu „Gedanken – Ein fiktives Interview (Das Original)“

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