Blogroll

In den unendlichen Weiten des Internet’s tummelt sich viel Müll. Andere würde den gebotenen Rotz Scheiße nennen. Aber ich kann mich benehmen, weiß mich gepflegt zu äußern und spreche deshalb ’nur‘ vom Müll. Egal ob massentaugliches Langweil-Zeugs oder hochtrabende Ein Mann-Projekte, hier und da tauchen zwischendrin beinahe geniale Lichtblicke auf. Diese Momente der Kreativität, sowohl die guten (EMPfehlungen) wie auch die bösen (VERfehlungen) ihrer Art, möchte ich auf dieser Seite präsentieren.

EMPfehlungen

Roman Pyatkovka + Roman Pyatkovka II – Wenn der Künstler die Bildsprache beherrscht, dann hat ein Werk ganz ohne Bildunterschrift mehr als ‚Tausend Worte‘. Der Künstler ist in meinen Augen der Beweis, dass der Erfolg der Kunst in deren Einfachheit und nicht in der Komplexität der – perversen – Gedanken eines Betrachters liegt.

Anna Malina – Sie hatte den Mut, hing ihren Job und Beruf an den Nagel, begann ein Kunst und Philosophie-Studium. Ohne die Fesseln eines Regelwerks lebt Malina zwischen einer gezogenen Grenze, die nur in unserem Kopf existiert. Sie überrascht mit dem Kind in der Frau, weckt mit scheinbar Banalem Kindheitserinnerungen der warmen Art. Sie zieht Fäden, reißt aus und setzt wieder zusammen.

Lydia Lazarus – Nach meiner Erfahrung fällt es leicht fremde, fällt es schwer eigene Fotografien zu zerstören. Ich meine damit ein Bild, sei es professionell ausbelichtet oder schnell auf dem Laserprinter gedruckt, derart weiter zu verwerten, dass das klassische Erscheinungsbild (rechteckig und bilderrahmentauglich) nicht mehr stimmt. Das Leben und die eigenen Erfahrungen können die Schwelle senken. Im Ergebnis entstehen zeigenswerte ‚Patchwork’s‘, wie sie von Lydia Lazarus geschaffen werden.

Miroslav Tichý – Er darf in meiner Empfehlung nicht fehlen, denn es waren seine Arbeiten, die mir meine fotografische Blindheit nahmen. Technische Präzision mag zwar die perfekte Grundlage für endlose Monologe in Foren und Magazinen sein, zwangsläufig gute Bilder entstehen dadurch nicht. Der Präzisions- und Optimierungswahn erzeugt charakterlose Langweile und behindert die Fantasie. Wer um ein Bild kämpft, selbst bis zur Zerstörung desselben, der hat mit jeder Art der Liebe ein Werk geschaffen.

VERfehlungen

analogueNOW! – Stell dir vor du möchtest die ‚Analoge Sache‘ fördern und veranstaltest des Festivals zu einer fotografischen Nische. Zugegeben, sie sind kaum beachtet, werden aber selbst hoch gelobt. Letztlich scheitert das Voranbringen der Sache an den inneren Grabenkämpfen und der eigenen Arroganz, potentielle Interessenten aktiv einzubinden. Die Macher haben eben viel lieber mehr mit sich selbst als mit der – wichtigeren – Sache der Förderung der Analogfotografie zu tun.

Charlotte Mano – Betrachte ich ihre Arbeiten gilt mein nächster Gedanke dem fotoMAGAZIN. Hier werden/wurden* Meister der Fotografie vorgestellt. Nicht selten präsentierte das Heft ‚Visuelle Langweiler‘ wie a la ‚Portraire‘ von Charlotte Mano. Zugegeben, diese – ihre – Technik und Handschrift hat etwas, passt in meinen Augen optimal zu Mano’s ‚Blind Portraits‘. Doch dann hört es auf interessant zu sein. Es wird mangels eingeschränkte Bildsprache langweilig. Mich spricht das simple Verwaschen der Farben, das Abplatten des Kontrasts nicht an.

* Seit ein paar Jahren habe ich keine Ausgabe des fotoMAGAZIN’s mehr gelesen. Mit einem Hauch Boshaftigkeit hat man nicht über den Tellerrand Digitalfotografie hinwegsehen wollen, oder des Geldes wegen nicht hinweg sehen können.

Detlev Motz – Er ist Mister Wettbewerbsfotografie, was immer hinter diesem Sujet steckt. Detlev Motz war Chefkritiker, heute ist er Herausgeber des elitären Zirkel ‚fotogen‘, dem Magazin für emotionale Fotografie. Der Titel treibt mir die Tränen in die Augen. Meine Worte mögen abfällig klingen, doch Detlev Motz hat mich – stark – beeinflusst: Ohne seinen Übermut von ‚emotionaler Fotografie‘ zu reden würde ich heute nicht ‚the most liked, world‘s best & award-winning experimental photographer from berlin‘ im Untertitel des Blogs führen.