Faith Carrington’s ‚Hi y_nouri‘

Hallo!
Schön dich zu treffen. Du siehst so schön aus. Ich suche einen verantwortlichen Mann mit ernsten Absichten für echte Liebe und Beziehung, ich brauche keinen Flirt. Mein Ziel, einen ernsthaften Mann für einen gemeinsamen Lebenszweck zu treffen. Wie alt bist du? Selbst du bist viel jünger als ich, du kannst auf diesen Brief antworten. Ich lebe im Landnamen Russland, ich hoffe, sich besser kennenzulernen, wird kein Problem sein. Wenn unsere Ziele nicht übereinstimmen, antworten Sie nicht auf diesen Brief. Aber ich hoffe, dass unsere Ziele die gleichen sind und Sie ein Mädchen suchen, und wir werden unsere angenehme Kommunikation fortsetzen. In Bezug auf

Mittlerweile bin ich einiges von diesen love scamming-Mails gewohnt: Das schüchterne Bauerntrampel aus der Russai, die schmutzig-hintertriebene Ehefrau, zufällig in meiner Stadt und die Karriere-Bitch, bei der die innere Uhr beginnt zu ticken. Dagegen ist Faith so etwa wie eine Freundschaftsanfrage auf Butterbrotpapier: Willst du mit mir gehen: Ja, Nein oder Vielleicht?

Also für mich ist das alles keine Frage der Beziehung, einen liebeswilligen Menschen an meiner Seite zu haben. Es ist vielmehr die Überlegung: Will ich mir das antun? Fernbeziehungen sind schön, kann man sich über die meiste Zeit nicht auf den Senkel gehen. Wenn man sich dann sieht, einmal im Jahr, wird vierzehn Tage lang gerammelt und es wild getrieben wie die Karnickel. Danach ist wieder Ruhe in der Hose. Klingt verlockend.

Das Problem ist nur die Sprache: Russisch ist so als hätte ich eine Sächsin neben mir in der Kiste zu liegen. Das Mäuschen kann noch so lecker aussehen, sie dürfte nie den Mund aufmachen und ein Wort sagen. Das wäre der totale Spielverderber und würde meinen kleinen Willy dazu bringen, sich in den Sack zurückzuziehen.

Bin ich wegen dieser Aussage auf irgendetwas phob? Also heute ist ja alles phob was nicht der Meinung unserer geschäftsführend regierenden Minister ist.

Autor: Lichtbildprophet

Lichtbildprophet.de ist ein Mix aus verbalen Größenwahn und fotografischen Depressionismus, eine persönliche letzte Schlacht des Marvin F. gegen den Herdentrieb, die Massenverdummung und den Einheitsgeschmack unserer Zeit. Lichtbildpoet.de interpretiert historische Negative auf Glas und Zelluloid neu. Mehr Informationen finden Sie auf Flackerlight.de, dem Offenen Atelier in Berlin-Marzahn.