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In den unendlichen Weiten des Internet’s tummelt sich Vieles. Vieles ist interessant und hat mein fotografisch-kreatives Tun bereichert. Anderes ist eher nicht so wirklich wichtig; ich nenne es mittlerweile ‚Lebenszeitverschwendung‘. Es sei dem geneigten Leser überlassen herauszufinden, was nachfolgend (m)eine persönliche Empfehlung beziehungsweise in meinen Augen eine menschtypiche Verfehlung ist.

Claire D’Orsay’s Framework Berlin – Mit etwas Wehmut denke ich an die Villa Schaf. Dabei habe ich sie nie gemocht, wollte nie ein Kleingärtner sein. Vereinsmeierei und die ohnehin schon knappe Zeit waren Argumente gegen die ‚eigene Scholle‘. Doch ohne die Villa Schaf hätte ich nie Claire D’Orsay und ihr Upcycling-Projekt Frameworks Berlin kennengelernt. Letztlich kam es sogar zu einer Kollaboration, in der Claire drei meiner BetrachtSteine zu einem Kunstwerk formte. Außerdem zierten einige ihrer Bilderrahmen aus recyceltem Holz einfache Fotolabor-Abzüge meiner Arbeiten. Mittlerweile ist die Villa Schaf Geschichte, 2016 hat mein BetrachtStein-Triptychon einen Liebhaber gefunden und ist durch meine Krebserkrankung die Zusammenarbeit mit Claire leider ins Stocken geraten. Zumindest habe ich mir vorgenommen, irgendwann einen von Claire’s Bilderrahmen-Workshop zu besuchen.

Adox – Zugegeben: Der Name ist alt und was heute Adox heißt, ist eigentlich nur der Markenname. Hinter dem heutigen Adox steckt Fotoimpex und dahinter wiederum Mirko Böddecker. Seit meinem (Wieder-)Einstieg ins analoge Fach gehört Fotoimpex zum lokalen Dealer des Vertrauens. Habe ich keinen Bock auf lähmend-lahmende Touri’s am Hackeschen Markt, wird – neben macodirect.de – einfach online bestellt. Gibt es dabei mal ein Problemchen, kann es sein, dass der Chef Mirko Böddecker persönlich antwortet und es löst. Ich noch als Autor aktiv, gab es zudem das eine oder andere Pläuschchen zur filmbasierten Fotografie. Doch das eigentlich Besondere am Adox-Fotoimpex-Böddecker-Komplex ist das Engagement Mirko Böddecker, fotografisches Zeugs aller Art auch selbst zu produzieren. Seine Manufaktur steht in Bad Saarow, eine ehemalige Wäscherei, aber auch der Standort jener NVA-Militärmediziner, den der Mensch und einfache Soldat scheißegal waren. Egal, ich bin voller Neid: Mirko Böddecker lebt seinen Traum, hat das Hobby zum Beruf gemacht und irgendwie geht es bei Adox & Co. stetig voran. Zugern würde ich es Mirko Böddecker gleich tun und mitspielen wollen, einfach meinen Koffer packen um im Zelt vor Ort zu campieren, mich in der Dunkelkammer und (Foto-)Chemielabor auszupowern! Meine ‚Gute Fee‘, habe ich noch einen Wunsch frei?

Roman Pyatkovka + Roman Pyatkovka II – Wenn der Künstler die Bildsprache beherrscht, dann hat ein Werk ganz ohne Bildunterschrift mehr als ‚Tausend Worte‘. Der Künstler ist in meinen Augen der Beweis, dass der Erfolg der Kunst in deren Einfachheit und nicht in der Komplexität der – perversen – Gedanken eines Betrachters liegt.

Anna Malina – Sie hatte den Mut, hing ihren Job und Beruf an den Nagel, begann ein Kunst und Philosophie-Studium. Ohne die Fesseln eines Regelwerks lebt Malina zwischen einer gezogenen Grenze, die nur in unserem Kopf existiert. Sie überrascht mit dem Kind in der Frau, weckt mit scheinbar Banalem Kindheitserinnerungen der warmen Art. Sie zieht Fäden, reißt aus und setzt wieder zusammen.

Lydia Lazarus – Nach meiner Erfahrung fällt es leicht fremde, fällt es schwer eigene Fotografien zu zerstören. Ich meine damit ein Bild, sei es professionell ausbelichtet oder schnell auf dem Laserprinter gedruckt, derart weiter zu verwerten, dass das klassische Erscheinungsbild (rechteckig und bilderrahmentauglich) nicht mehr stimmt. Das Leben und die eigenen Erfahrungen können die Schwelle senken. Im Ergebnis entstehen zeigenswerte ‚Patchwork’s‘, wie sie von Lydia Lazarus geschaffen werden.

Miroslav Tichý – Er darf in meiner Empfehlung nicht fehlen, denn es waren seine Arbeiten, die mir meine fotografische Blindheit nahmen. Technische Präzision mag zwar die perfekte Grundlage für endlose Monologe in Foren und Magazinen sein, zwangsläufig gute Bilder entstehen dadurch nicht. Der Präzisions- und Optimierungswahn erzeugt charakterlose Langweile und behindert die Fantasie. Wer um ein Bild kämpft, selbst bis zur Zerstörung desselben, der hat mit jeder Art der Liebe ein Werk geschaffen.

dienacht – Magazine – Das Internet hat das Aufblühen interessanter (e)Publikationen befeuert, in demselben Sog aber auch das rasche Aussterben derselbigen beschleunigt. So waren, sind und bleiben diese eMagazine’s im Großen und Ganzen die Egoshooter profilierungssüchtiger Fotografen, denen einfach die Geduld und der Arsch für Sitzfleisch fehlt. DNacht (dienacht) ist da eine Ausnahme: Das Magazin gibt es nicht nur gedruckt, der Macher Calin Kruse hält das – wohl? – Ein-Mann-Projekt seit längerer Zeit (Riesenlob!) aufrecht. Dann und wann verlegt man Arbeiten anderer Künstler, wie es dazu kommt und was zu erwarten ist, das liegt ähnlich wie beim Ü-Ei in der Hand des Machers.

Neue und alte Techniken der Radierung und Edeldruckverfahren – Sicherlich ist der digitale Weg der Fotografie und Bildbearbeitung bequem, jedoch nicht einfach. Je mehr man sich dem realen Analog annähern möchte, umso komplexer wird dessen digitale Nachbildung und damit der Aufwand, den ich am Computer betreiben muss. Dazu kommt: Der Bequemlichkeit wegen wird auf das stochastische Element des realen Analogen verzichtet, weshalb sich Nachbildungen bereits über wenige Exemplare an der reproduzierten Langeweile entlarven lassen. Insofern stellt sich die Frage, warum bei der Realisierung eines Bildes nicht gleich analog arbeiten und als Finale die Stärke des Digitalen in der Optimierung und Vervielfältigung suchen? Wie man im Analogen und abseits des klassischen Silbergelatine-Fotoabzugs selbermacht, das erklärt das wunderbare Werkstattbuch von Wolfgang Autenrieth. Kaufen, lesen und selbermachen!

analogueNOW! – Stell dir vor du möchtest die ‚Analoge Sache‘ fördern und veranstaltest deshalb ein Festival für eine fotografische Nische. Zugegeben, diese Festivals sind kaum beachtet, werden aber aus den eigenen Reihen – Jetztzeit üblich – total hoch gelobt. Letztlich scheitert das Voranbringen der Sache an den inneren Grabenkämpfen und der eigenen Arroganz eines elitären Haufens, potentielle Interessenten aktiv einzubinden. Die ‚Macher‘ haben eben viel lieber mehr mit sich selbst als mit der – wichtigeren – Sache der Förderung der Analogfotografie zu tun. Und es ist leider kein Ende der Nestbeschmutzerei in Sicht.

Charlotte Mano – Betrachte ich ihre Arbeiten gilt mein nächster Gedanke dem fotoMAGAZIN. Hier werden/wurden* Meister der Fotografie vorgestellt. Nicht selten präsentierte das Heft ‚Visuelle Langweiler‘ wie a la ‚Portraire‘ von Charlotte Mano. Zugegeben, diese – ihre – Technik und Handschrift hat etwas, passt in meinen Augen optimal zu Mano’s ‚Blind Portraits‘. Doch dann hört es auf interessant zu sein. Es wird mangels eingeschränkte Bildsprache langweilig. Mich spricht das simple Verwaschen der Farben, das Abplatten des Kontrasts nicht an.

* Seit ein paar Jahren habe ich keine Ausgabe des fotoMAGAZIN’s mehr gelesen. Mit einem Hauch Boshaftigkeit hat man nicht über den Tellerrand Digitalfotografie hinwegsehen wollen, oder des Geldes wegen nicht hinweg sehen können.

Detlev Motz – Er ist Mister Wettbewerbsfotografie, was immer hinter diesem Sujet steckt. Detlev Motz war Chefkritiker, heute ist er Herausgeber des elitären Zirkel ‚fotogen‘, dem Magazin für emotionale Fotografie. Der Titel treibt mir die Tränen in die Augen. Meine Worte mögen abfällig klingen, doch Detlev Motz hat mich – stark – beeinflusst: Ohne seinen Übermut von ‚emotionaler Fotografie‘ zu reden würde ich heute nicht ‚the most liked, world‘s best & award-winning experimental photographer from berlin‘ im Untertitel des Blogs führen.

Fotoexakt und/oder Fotoexakt24 – Eigentlich ist es DIE Chance sich als Anhang DER deutschen Foto-Onlinegemeinschaft fotocommunity einen Namen als Fachlabor zu machen. Naja, am Anfang war man ’nur‘ Vermittler, ließ woanders fertigen. Es hielt der Größenwahn Einzug und man wollte Selbermachen, bei den Preisen ordentlich zulangen. Das erzeugte – zurecht – Kritik, denn der Kunde kann Preise vergleichen. Die Chefin vom Ganzen kann zwar mit Kritik nicht sonderlich gut umgehen, dafür aber verbal selbst in den fotocommunity-eigenen Foren ordentlich austeilen. Auf Dauer geht solch ein Geschäftsgebaren wie auch die menschliche Fehlleistung der Dame nach Hinten los. Und so verschwindet ‚fotocommunity prints‘ und/oder ‚fc prints‘ und es wird die okkulte Profisekte Fotoexakt geschaffen. Hier kommt nicht mehr jeder knipsende und meckernde Dödel hinein. Eine Preisliste gibt es erst nach einer Einlasskontrolle durch den Support, die ich selbst – wohl völlig zurecht – nicht bestanden habe.

Bert Kubik – Er ist der Erfinder des Power-Shooting, des Model-Sharing und der anspruchsvollen Modelfotografie. Im guten Deutsch heißt das ‚Bäumchen wechsle dich‘-Rudelschießen (oder Nachhaltigkeits-Swingerfotografie) zur Begleitmusik kraftvoller Photoshop-Arien. Bert organisiert diese mittlerweile legendären Events nur für geladenen ‚Foto-Freunde‘, die ihm in unerschütterliche Treue nicht nur die Stange halten, sondern den fotografischen Partnertausch auch noch bezahlen dürfen. Jeder Preis von Bert Kubik ist absolut ’special‘ und die anderen müssen für den knipsenden Kaffee- und Kuchentross immer deutlich mehr bezahlen. Doch eine Warnung sei hier ausgesprochen: Komm bitte nicht auf die Idee, die visualisierte Langeweile auf hardwaremäßig hohem Niveau sowie die softwarebasierten Retuscheorgien zu kritisieren. Da wird Bert echt pampig, schließt dich als hochgradig unwürdig aus seinem erlesenen Zirkel aus und macht bei den Pseudo-Mächtigen dieser Erde gewaltig Stunk gegen dich. Du musst wissen: Bert Kubik hat auch mal die Puhdys fotografiert, und das ist schon mal was.

konkursbuch Verlag Claudia Gehrke – Wer sich als Kreativer der Nacktheit zuwendet, der rutscht verdammt schnell in die Ecke der widerwärtigen Pornografen. Zumindest nach Meinung derer, die das deutsche moralische Wissen einen, die gar glauben es in als auch auf sich zu vereinen. Was die Moralapostel nicht wissen und/oder nie zugeben werden: Sie sind es, die die wahren schmutzigen Gedanken haben! Zugegeben: Die eine oder andere Schöpfungshöhe der abgedruckten Schmuddelbildchen ist derart niedrig, dass ein Schamhaar über Kunst oder Kitsch entscheidet. Dennoch ist ‚Mein heimliches Auge‘ – die schwul lesbischen Ableger eingeschlossen – den voyeuristischen Blick und das gierige Lesen erotischer Wortwerke wert. Wer nach dem Lesen meiner Lobhudelei den totalen Sittenverfall vermutet, der hat vollkommen Recht und ist hiermit vorgewarnt. Wer sich jetzt aufplustert, dem kann ich nur empfehlen, den Stock in seinem Hintern zu belassen, weiterhin BILD zu lesen und zu glauben, dass darin die absolute Wahrheit steht.

Stalins Badezimmer – Dem Albert Einstein wird nachgesagt, dass er sich vorstellen könne, wie unendlich menschliche Dummheit sei. Ich sage: Sie ist es! Der Mensch glaubt was er sieht und liest, ohne nachzudenken. ‚Es steht ja da geschrieben‘ oder ‚ich habe es dort gesehen‘. Totschlagargument ist der Verweis auf Wikipedia. In meinen Augen kommt das dem festen Glauben an den Weihnachtsmann und/oder dem Osterhasen gleich. Stelle ich eine Frage: Notebook auf oder Smartphone raus, Google befragt und auf Wikipedia nachgelesen. Geht dem pseudowissenschaftlichen Halbwissen dasselbige aus, wird das erstbeste Youtube Rat und Tat-Video als unwiderlegbare Wissensquelle angenommen und der darin meist verbreitete Blödsinn in die ohnehin schon dumme Welt hinaus getragen. Ich danke dem Erfinder des Stalinschen Badezimmers für seine Tat im Stil des Till Eulenspiegel, den unüberlegt abpinselnden Dummbotzen, die nach Aufdeckung schnell alles korrigiert haben und der nahezu Gesamtheit der Menschen, die nichts daraus gelernt haben: Beständig ist und bleibt eure Dummheit.

Foto Peter – Der mir nicht wohlgesonnene Leser könnte bei diesem Abschnitt meinen, aus mir spricht der blanke oder gar pure Neid. Der Neid auf den ‚Fotografen‘, der sie alle hatte: Tim und Struppi, Susi und Strolch, Latsch und Bommel, Dick und Doof, Dirty Tina und Popp Sylvie und wie sie alle aus der unendlichen Liga der Möchtegerne und z-Promi’s heißen. Also alles, was derart Rang und Namen hat, in einem technisch hochgradigen und liebevoll aufgenommenen Bild verewigt zu werden, welches dem neuen BILD-Ehrenkodex a.k.a. Facebook, Instagram &.Co Community-Richtlinien entspricht: Nippel und Anspruch – Nein Danke! Es gibt sogar richtige Einreiter unter den Hilfsfotografen, die ablichtungswilligen Girls zeigen, wer der Beste hinter der Kamera ist und wie das harte Profi-Amateurmodell-Geschäft wirklich läuft. Ein Vertreter ist der bis in die entfernteste Galaxie bekannte Fotograf Foto Peter, auch als Massage Peter unterwegs, dessen Homepage nach eigenem Bekunden kostenlos ist! Das liegt wohl an den zahllosen Sponsoren, die das emotionale Großunterfangen inklusive Fine Arts-Bodypaintings erst wirklich möglich machen. Manch Modell, ach Quatsch, alle Modelle, die eine steile Weltkarriere machten, machen und machen werden, zündeten ihre heiße Laufbahn auf der Abschußbasis des Ex-Feuerwehrmann Foto Peter! Der neugierige Suchende bringe also bitte Zeit mit, sich auf der kostenlosen Website durch das Who is Who der internationalen Modellbranche zu blättern.

Die Fotoschule – Ist es nicht schön, wenn die Sehenden unter den Blinden versuchen, mir in mächtigen Worten den Berufsdilettanten und Hobbyautodidakten auszutreiben? In Stunden liebevoller Schreibarbeit schaffen sie bibelgleiche Internetpreziosen, die alles bisher Dagewesene mühelos wiederholen und dennoch in den Schatten stellen. Um die Brücke zur Moderne zu schließen, gibt es das Meisterwerk natürlich kostenlos, auch als eBook oder App. Und da wird immer wieder behauptet, dass Internet und die sozialen Medien seien gefühlskalt. Es gibt die stillen Helden und mir ist es immer wieder ein inneres Bedürfnis, sie hier zu belobhudeln. Ein berühmt-berüchtigtes Werk ist Ralfonso’s ‚Die Fotoschule‘. Allein der kongeniale Spruch am Eingangstor ‚Vieles hätte ich verstanden, wenn man es mir nicht erklärt hätte …‘ sagt alles: Hier ist ein neuer Messias der Fotografie am Postulieren. Die ersten Verse seiner Verkündigung lesen sich wie das ‚Who is Who‘ der modernen Lieblos-Fotografie: Technik, Technik über alles, für die deutsche Perfektion. Ralfonso lässt keinen Platz für verklärte Gefühlsduselei, Gedanken bereiten nur die perfekte Blende, schnellste Belichtungszeit und der präzise Bildaufbau nach Lehrbuch. Ralfonso ist der Typ Fotograf, denn man sich nicht als Liebhaber wünscht. Es sei denn, man steht auf 0815-Blümchensex und Frau liebt es den Orgasmus perfekt vorzutäuschen. 14 Millionen Fotofans können sich nicht täuschen! Danke, Ralfonso.

Missy Jubilee’s The Future Sex Love Art Projekt – Was einst die Gruppentherapie ist im Zeitalter des Internets das eigene Projekt. Das ist an sich nichts Verwerfliches, finden sich auf der weiten Welt bestimmt noch andere Betroffene. Würze das Ganze mit etwas Erotik knapp an der Pornografie und die kannst auf Unterstützer abseits der Betroffenenfraktion zählen. Die Welt der eigentherapeutischen Selbstfindung könnte so erfolgreich sein, sterben Projekte zu 99,99% den plötzlichen Heldentod. Denn da ist auf einmal keine Zeit, ein neuer Job, ein neuer Stecher oder irgendein anderes reguläres oder irreguläres Kataströphchen. Der Unterstützer und Fan, Seelentröster und Zuhörer ist der Gelackmeierte. Wo ist das Projekt auf dieser Welt, dass einen Anfang hat und ein grundsolides Ende erreicht?

PhotoKlassik – Das Internet hat die gedruckte Welt gehörig durcheinander gewirbelt. Dem digitalen Neuzeitmensch genügt es, stehende oder bewegte Bilder und zu lesende oder gesprochene Texte auf mickrige, detail- und farbentstellende Display anzustarren. Natürlich kostenlos und qualitativ total hochwertig. Solche Inhalte müssen von Menschen produziert werden, die dummerweise für ihr Lebenserhalt Euronen haben wollen. Das beißt sich mit den Ansprüchen der Leserschaft, was letztendlich zu Lasten der Autoren ausgetragen wird. Es kommt wie es kommen muss: Der moderne Schreibsklave soll für einen Appel und ’nen Ei anständige Inhalte produzieren. Wer nur schreibt, hat die Nase vorn, denn es wird auf den Buchstaben genau bezahlt. Wer aber mehr im Atelier steht, experimentiert und Ausgaben an Materialien produziert, der ist als Autor und eigener Bildproduktion mit dem pauschalen Abspeisen von handgemachten Bildwerken in den Arsch gekniffen. Dem Chefredakteur ist es egal, im übertragenen Sinne die Peitsche schwingend findet er genug Nachschub an ausbeutungswilligen Schreiberlingen. Es macht sich ja gut in der Bio-Vita, ein oder zwei Texte für die PhotoKlassik geschrieben zu haben. Der zahlende Leser bekommt davon nichts mit, oder will davon nichts mitbekommen, denn fast 20 DM für ein Nischenheft treibt die Nässe in die Augen. Aber es ist nicht nur in der papiergestützten Medienlandschaft so: Jeder Produzent kann ein Lied davon singen, wieviel letztlich vom Endverbraucherpreis beim wahren Macher ankommt.

Jürgen Rahf – Als poetischer Prophet mit einem ausgeprägt besonderen Geschmack weiß ich, wie schwer es ist gebauchpinselt und anerkannt zu werden. So ist es nicht verwunderlich, dass Religionskritiker Jürgen Rahf der Ruhm verweigert wird, der ihm eigentlich zusteht. Immerhin hat er Meisterwerke der Atheismus wie ‚Die Hure Religion‘, ‚Judentum und Sklaverei‘ oder ‚Schnipp-Schnapp Vorhaut ab‘ erschaffen. Es erschüttert mich in meinen Grundfesten, dass das Märchenland des Internets, gemeint ist Wikipedia, dem Stammvater des religiösen Diskurs die Aufnahme in deren Heiligen Hallen verweigert! Rahf fristet ein – beschämend – exilartiges Dasein auf Marjorie-Wiki, dem Sammelbecken abgewiesener Wikipedia-Beiträge des unnützen Halb-Halbwissens. Hätte sich jemand unter den Traumfabrik-Autoren der Wikipedia die einmalige Mühe gemacht und zum Beispiel Rahf’s über zweihundert Seiten langen Schinken ‚Schnipp-Schnapp Vorhaut ab‘ gelesen, ihm wären – entsprechendes Halbwissen vom Hörensagen vorausgesetzt – wie Schuppen aus den Haaren Parallelen zum Hitlerschen Fascho-Klassiker, dem absolut unlesbaren Buch ‚Mein Kampf‘ aufgefallen. Der Meister der Gottesgroteske fabuliert seitenweise um den heißen Brei, ohne auf einen bestechend klaren Punkt zu kommen. Herr Hitler und sein ‚Mein Kampf‘ wie auch der ganze Nazi-Vogelschiss hat seinen festen Platz in der glorreichen Wikipedia, warum ein Jürgen Rahf nicht?! Der weiß auch nicht wovon er redet und zitiert vertrauensvolle Quellen, die es so nicht mehr gibt. Das ist Niveau-Limbo auf höchstem Niveau und verdient endlich seine vollste netz-soziale Anerkennung. Schließlich darf er – laut Ersatz-Wikipedia für Asylanten – ein Leben als Lehrender in Finnland fristen, was wiederum den erhöhten Alkoholkonsum in diesem Land erklärt.

Raldopur – Ich möchte ja nicht alles auf den Chemo-Brain schieben. Aber per Kontaktformular bekomme ich diesen Satz zugeworfen: ‚Machst du noch was .. was hast du für eine Ausrüsting ?‚. Das ist das Original-Originalzitat. Wer ist er, der mich fragt? Ist er im Kopf verworrener als ich? Meine Antwort: ‚Ich mache noch was und habe Ausrüstung‚. Raldopur, so nennt sich der Verfasser der kryptischen Botschaft, ist ‚Kunsthandwerkermeister der Silberfotografie‘. Oh man, er ist mir sympathisch, hat er die selbe Macke nach Aufmerksamkeit und Anerkennung wie ich und ist so betont lässig unfreundlich wie meiner Einer: ‚was ( ? ) war die Frage ,Marvin, nicht ob …. du brauchst auch nicht als Orakel dich (mir ) offenbaren sondern darfst da ganz Marvin sein. wenn du das schaffst können wir reden. Wenn du keine Lust darauf hast würde ich das Kontaktformular löschen. also sprach Z.‚. Ich habe hin und her überlegt, ob ich diese wortgewaltige Exzellenz kenne oder nicht. Seine Bilder sagen mir nichts. Sie sind gut, sehr gut sogar. Mir sind sie bis dahin jedoch unbekannt. Glaube ich zumindest, wenn nicht die Chemo-Suppe ein paar entscheidende Gedächtnis-Hirnzellen weggeätzt hat. Vielleicht unterliege ich auch einer schnöden Verwechslung? Egal, raldopur ist – neben mir persönlich versteht sich – der lebende Beweis, dass gute bis sehr gute Bilder nicht zwangsläufig von einem echten Gutmenschen geschaffen worden sein müssen. Sprach Z., um raldopur zu zitieren.